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Geschichte der Forelle Steyr

 

Mit der Erfindung des  Faltboots 1905 begann auch auf den wilden Alpenflüssen die sportliche Nutzung der Enns oder der Steyr, die vorher jahrhundertelang für den Transport in jeder Hinsicht oder die Gewinnung von Energie genutzt wurden. Berichte über Sternfahrten auf der Enns mit über hundert Teilnehmern existieren und schon 1935 wurde ein Slalom ausgetragen.

Im Arbeiter- Turn- und Sportverein Steyr existierte  kurz (um 1922) eine Sektion, die sich „Forelle“ nannte und der Rudolf Zagler vorstand.

Leider gibt es darüber wenig Kenntnisse, Faktum ist, dass im Stadtgebiet von Steyr am Ennskai zwei Bootshäuser standen, eines davon, das des jetzigen ATSV Steyr steht noch.

Nach dem Krieg fanden sich 65 Paddler in der Österreichischen Turn und Sportunion zusammen, die am 19.10.1947 über einen neuen Verein, den sie Kajak und Segelsportverein Forelle Steyr nannten,  abstimmten. Einen Verein  der überparteilich und unabhängig sein sollte. ÖTSV war politisch schwarz, ATSV politisch rot. Die Forelle sollte – und blieb es bis auf den heutigen Tag ohne politische Färbung sein.

Unter den Männern der ersten Stunde, Walter Glöckel, Emil Pickl, Karl Hietler, Leopold Kubisch, Josef Mican, um nur einige zu nennen, war auch eine Frau, Gertraud Pertlwieser, die nachmalige Weltmeisterin im Slalom.

Der erste Präsident war der damalige Zentraldirektor der Steyr Werke Walther Glöckel, der erste Obmann Emil Pickl.  Das Bootshaus war das heute dem ATSV Steyr gehörende Gebäude am rechten Ennsufer mitten in der Stadt. Schon 1948 jedoch wurden im großen Augebiet unterhalb der Münichholzer Überfuhr zwei Baracken, eine für die Segler, eine für die Paddler aufgestellt, die noch heute stehen und den Grundstock für die Anlagen an der Kematmüllerstraße bildeten.

Mit ungeheurem Enthusiasmus in der Aufbruchsstimmung der Nachkriegszeit und tätiger Mithilfe aller Mitglieder entstand ab 1949 aus einem alten Schotteraufbereitungsturm ein Vereinshaus und 1951 konnte eine Anlage einweiht werden, die nicht nur dem Sport, sondern auch der Gesellschaft diente.

An dem ganzen unteren Ennsufer gab es außer der Forelleanlage kein einziges Haus. Die Enns war damals  noch fließendes Gewässer, die Stauwurzel lag unterhalb, ungefähr dort, wo heute die Nordspangenbrücke steht. Wettkampfmäßig wurde bereits großer Sport betrieben. Sowohl im Wildwasser wie auch im Flachwasser-bereich. Boote wurden selbst gebaut und Gerti Pertlwieser wurde 1949 bei der erstmals ausgetragenen Weltmeisterschaft im Slalom (in Genf) in der Mannschaft Weltmeisterin. Othmar Eiterer, aus Steyr, ab 1950 ebenfalls Mitglied der Forelle wurde ebendort der erste Slalom Weltmeister der Geschichte.

Die Ausrichtung der 2. Slalom Weltmeisterschaft war der Forelle zugesprochen worden und 1951 fanden sich über 100 Teilnehmer aus 11 Nationen zu einer denkwürdigen Veranstaltung beim Kugelfangwehr an der Steyr.

Die Steyr führte Hochwasser und nachdem von den ersten 16 Startern nur zwei das Ziel erreichten, wurde abgebrochen. Am nächsten Tag bei Normalwasser dominierten die Österreicherinnen und Österreicher die WM.

Unsere Gerti Pertlwieser wurde Weltmeisterin im Einzel und in der Mannschaft, Othmar Eiterer war einer der sieben Österreicher unter den ersten acht, zwei weitere ebenfalls von der Forelle  und Mannschaftsweltmeister. (Weltmeister Hans Frühwirth aus Hainburg)

Aber auch im Flachwasser Regatta Bereich gab es bereits Erfolge. 1951 wurde Herbert Schreiner Staatsmeister über 10.000 m im Kajak Einer.

Die folgenden Jahre und Jahrzehnte waren von einer stetigen Aufwärtsentwicklung begleitet.

Der Präsident, Walter Glöckel, Zentraldirektor der Steyr Werke  unterstützte mit seinen Möglichkeiten alle Tätigkeiten, die unter dem Obmann Emil Pickl und mit immer zahlreicheren Mitgliedern begonnen wurden.

Neue Sektionen, Stocksport und Tennis wurden gegründet, die immer größer und erfolgreicher werdende Kanusektion und die zunehmende Spezialisierung  führten zu einer weiteren Sektionsteilung in Kanu Wildwasser und Kanu Rennsport. Die Wildwassersektion bezog den ehemaligen Schönauer Stadl als primitive Bootsunterkunft, die sie erst 1976 wieder verlassen konnte um ein neue errichtetes  Bootshaus in der Anlage Kematmüllerstraße zu beziehen.

Durch die sportlichen Erfolge wurde die Forelle Steyr nicht nur der zeitweise bedeutendste Kanuverein Österreichs, sondern auch insgesamt einer der großen und wichtigen Vereine unseres Landes.

Zwei Bronzemedaillen bei Olympischen Spielen, 11 Weltmeistertitel, 17 weitere WM Medaillen, über 300 Staatsmeistertitel sind der Beweis für diese Behauptung. Kurt Presslmayr im Wildwasser und Günther Pfaff im Kanu Regattasport müssen als die wichtigsten und erfolgreichsten Mitglieder der Forelle, stellvertretend für viele andere erwähnt werden.

Als nach über 40 jähriger Obmannschaft Emil Pickl zurücktrat und in der Folge Uneinigkeiten in finanzieller und personeller Hinsicht auftraten wurden die Statuten geändert und den Sektionen finanzielle Autonomie eingeräumt. Turbulenzen, ausgelöst durch egoistische Mitglieder trieben den Verein in eine Krise und auch sportlich gab es ein Wellental aus internationaler Sicht. Allerdings wurde in diesen Jahren eine große Anzahl Jugendlicher bis zur nationalen Spitze gebracht.

Schon lange war das alte Vereinshaus baufällig, war der nebenbei betriebene Campingplatz sanitär nicht mehr tragbar, waren die Bootshäuser zu klein und vernachlässigt und so begann 1992 der damalige Obmann Herbert Schreiner mit den Mitgliedern der beiden Sektionen den Bau eines neuen Boots- und Vereinshauses, das in Zukunft noch weiter ausgebaut werden kann.

Obwohl nunmehr beste Verhältnisse für den Betrieb des Sports vorlagen, gab und gibt es immer weniger Mitglieder, die den Sport wettbewerbsmäßig  betreiben, sodass 1997 die Sektionen Kanu Flach- und Wildwasser wieder vereinigt wurden.

1999 lief der Pachtvertrag mit dem Grundeigentümer an der Kematmüllerstraße aus und die Forelle wurde finanziell und organisatorisch vor ihre größte Herausforderung gestellt, diese jedoch durch die damals und noch heute tätigen Obmänner des Gesamtvereins Peter Kubisch und Johannes Samwald so gemeistert, dass heute, 2008,  der Gesamtverein und alle Sektionen schuldenfrei sind.  In sportlicher Hinsicht waren die letzten zehn Jahre sehr erfolgreich, zwei Europameistertitel, unzählige Staats- und Landesmeistertitel und eine Bronzemedaille bei Olympia 2008 sind zu verzeichnen.

Die moderne Zeit und  neue Vereinsgesetze machten erneut eine organisatorische Änderung nötig: seit 2005 ist die Kanusektion ein Zweigverein des Sportvereins Forelle Steyr.

 

4. Jänner 2008

Wolfram Steinwendtner (Präsident der Forelle Steyr)

 

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